{"id":151,"date":"2021-02-14T08:45:28","date_gmt":"2021-02-14T08:45:28","guid":{"rendered":"http:\/\/christian-papesch.de\/?page_id=151"},"modified":"2021-12-31T17:30:50","modified_gmt":"2021-12-31T17:30:50","slug":"bar-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/christian-papesch.de\/?page_id=151&lang=de","title":{"rendered":"BAR"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>&#8222;Just one drink!<\/strong>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Tock-tock. Tock-tock. Tock-tock.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das schnelle Pochen seiner Lederschuhe auf dem br\u00fcchigen Asphalt hallte ihm durch den Verstand \u2013 als versuchte es, mit seinem Herzschlag Schritt zu halten. Mit zitternden H\u00e4nden wischte er sich den Schwei\u00df von der Stirn und verschmierte dabei das lauwarme Blut, das ihm aus einer tiefen Platzwunde \u00fcber das Gesicht lief und in seinen Augen brannte wie das Wasser eines v\u00f6llig \u00fcberchlorten Schwimmbads. Ihm gefiel dieses Bild \u2013 obwohl er erst vor kurzem gelesen hatte, dass es eigentlich nicht das Chlor war, das f\u00fcr Brennen und rote Augen sorgte, sondern jene Dinge, die mit dem Chlor reagierten. Allen voran Blut, Schwei\u00df und Urin.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(Just piss off! Piss off as fast as you can!)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ohne seinen Gang zu verlangsamen schaute er sich um. Hinter ihm ragten alte Fabrikgeb\u00e4ude in den sternlosen Nachthimmel, in deren Fensterscheiben sich das fahle Licht der Stra\u00dfenlaternen spiegelte. Vereinzelt parkten Autos auf der schnurgeraden Stra\u00dfe, von denen die meisten jedoch so wirkten, als seien sie schon seit Wochen nicht mehr bewegt worden. Ansonsten war dort nichts. Und, was das wichtigste war: niemand.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(You might think that! Sheep always think that, don&#8217;t you know? And then the big bad wolf jumps out of the tall grass and tears out their larynx!)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Er atmete tief ein; und der schneidende Schmerz in seinen Lungen erinnerte ihn daran, dass eine seiner Rippen gebrochen sein musste. <em>Mindestens eine<\/em>. Er verlangsamte seinen Gang, schaute an sich herunter und rieb vorsichtig \u00fcber die dunkelroten Flecken auf seinem schwei\u00dfnassen Hemd. Er sah beschissen aus, und genauso f\u00fchlte er sich auch. Das einzige, was an diesem Zustand etwas \u00e4ndern konnte, waren eine Dusche, ein Bett und ein Arztbesuch am n\u00e4chsten Morgen. Doch weil all diese Dinge gerade mindestens so weit von ihm entfernt waren wie frische Pinguinsteaks von einem Eisb\u00e4ren, entschied er sich f\u00fcr das n\u00e4chstbeste, was ihm unmittelbar greifbar erschien: ein Getr\u00e4nk mit m\u00f6glichst hohem Alkoholgehalt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(Hell yes!) <\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Da sein Verstand sich so sehr auf dieses Getr\u00e4nk zu freuen schien, dass er dessen realit\u00e4tslindernden Effekt bereits auf seine gebeutelten Sinne projizierte &#8211; und vielleicht auch, weil ihm die fehlende Stringenz der Wirklichkeit selbst dann nicht aufgefallen w\u00e4re, wenn ein gro\u00dfer, im Nichts schwebender Pfeil darauf gezeigt h\u00e4tte \u2013 betrat er die BAR.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(Just one drink! A teeny-tiny one!)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Eine hell erleuchtete BAR in einem gro\u00dfen, schneewei\u00dfen Haus mit Garten, auf dessen h\u00f6lzerner Veranda hunderte Teelichter brannten. Eine BAR, an deren h\u00f6lzerner Au\u00dfenwand mehr als ein Dutzend altmodische Leuchtschilder Alkoholsorten anpriesen, von denen er nicht einmal die H\u00e4lfte kannte. Eine BAR, die in diesem heruntergekommenen und verlassenen Teil der Stadt so fehl am Platz wirkte wie Gigi Allen auf einem Parteitag der NPD. So fehl am Platz, dass selbst jemand mit gebrochenen Rippen und einer tiefen Platzwunde am Kopf das Flackern im Schaltkreis der Realit\u00e4t h\u00e4tte wahrnehmen m\u00fcssen, das sie verursachte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(One drink always makes everything better!)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Doch als er die h\u00f6lzerne Eingangst\u00fcr aufstie\u00df, \u00fcber der in neongr\u00fcner Leuchtschrift das Wort <em>BAR<\/em> zu lesen war, ahnte er nicht, dass seine Probleme dadurch nicht weniger werden sollten. Nicht im Geringsten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(Two drinks, at most\u2026)<\/em><em><br><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Just one drink!&#8222; Tock-tock. Tock-tock. Tock-tock. 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