Traumfänger

Urban Fantasy – 450 Seiten

 

Wenn du dich mit dunklen Mächten einlässt,
brauchst du schon einen ziemlich gerissenen Plan, um sie wieder loszuwerden.
Besonders, wenn davon die Liebe deines Lebens abhängt.

Leseprobe

Das alles begann an einem dieser Sonntage.
An einem dieser typischen Sonntage, die Du eigentlich nur auf zwei Weisen verbringen kannst. Wenn Du mit jemandem zusammen bist, bleibst Du den Tag über im Bett, hörst Jack Johnson und rauchst Zigaretten, bis die Sonne untergeht.
Wenn Du mit niemandem zusammen bist, zwingst Du Dich, irgendwann zwischen halb eins und halb zwei, dazu endlich aufzustehen – zumal Dein rücksichtsvoller Bruder bereits seit geschlagenen vier Stunden die Anfangsakkorde von „Nothing Else Matters“ auf seiner E-Gitarre übt, was Deinen Schlaffluss nicht unbedingt in positiver Hinsicht beeinflusst.
Du duschst eine Stunde lang, weil Du glaubst, damit die schrecklichen Kopfschmerzen loszuwerden. Beim Mittagessen, das Deine Mutter Dir mit einem netten Gruß in der Mikrowelle hinterlassen hat, verfluchst Du den gestrigen Abend. Du überlegst, ob Du zwei oder gleich drei Aspirin schlucken sollst, um den Mann mit dem Vorschlaghammer aus Deinem Oberstübchen zu vertreiben. Du bist dankbar dafür, dass Deine Eltern bei Onkel Egon und Tante Karin zum Kaffee eingeladen sind und Dich niemand anspricht, während Du den Kühlschrank nach dem vitaminreichsten Fruchtsaft durchsucht, den Euer Haushalt zu bieten hat. Du schüttest schließlich drei Gläser schale Cola in Dich hinein, putzt zum zweiten Mal die Zähne – und musst feststellen, dass der widerliche Geschmack in Deinem Mund noch immer da ist.
Du drehst die Stereoanlage auf, setzt Dich ins Wohnzimmer und schließt die Augen. Doch kurz bevor Du erneut von einer beruhigenden Gedankenleere übermannt wirst, lässt Dich der schreckliche Beethovens-wievielte-Symphonie-auch-immer-Rufton eures Telefons hochschrecken. Nachdem der Anrufer seine Hartnäckigkeit bewiesen und auch nach dem zehnten Läuten noch nicht aufgegeben hat, quälst Du dich schließlich auf die Beine und stolperst zum Telefon.
„Ja?“
„Hey du Penner! Wieder nüchtern?“, tönt es aus dem Hörer.
„Was willst Du?“ Du bereust es, ans Telefon gegangen zu sein.
„Keine Ahnung. Mir war langweilig. Deine Nummer war die erste, die mir eingefallen ist.“
Du antwortest nicht. Du kannst spüren, wie der Vorschlaghammermann zum finalen Hieb ausholt. Angetrieben von der viel zu fröhlich klingenden Stimme am anderen Ende der Leitung.
„Bist du wieder eingepennt? Alter, hast du eigentlich auch so einen bitterbösen Kater wie ich?“
Du atmest tief ein, unterdrückst das Bedürfnis, das Telefon gegen die Wand zu pfeffern und schweigst stattdessen tapfer weiter.
„Ey, wo warst du gestern eigentlich so plötzlich? Hast echt was verpasst. Nathan und ich sind noch bis halb acht um die Häuser gezogen und haben NPD-Plakate abgehängt. Meinste, die wollen die wiederhaben? Gegen Lösegeld?“
Du weißt, dass diese Frage ernst gemeint ist. Gegen Deinen Willen huscht dir ein gehauchtes „keine Ahnung“ über die Lippen. Nervös fängst du an das Telefonkabel um dein Handgelenk zu wickeln. Du solltest einfach auflegen, schnurstracks wieder ins Bett gehen und bis zum nächsten Morgen nicht mehr aufstehen!
„Deine Kommunikationsbereitschaft beeindruckt mich immer wieder aufs Neue“, quasselt die Stimme erbarmungslos weiter.
Du reibst dir die Augen, fährst Dir mit der Hand durch das Gesicht. Dein Mund fühlt sich mittlerweile wieder so trocken an, als hätte darin ein Sandsturm getobt.
„Also, warum ich eigentlich anrufe: Meine Mutter ist gerade in den Urlaub geflogen – und weil ich weiß, dass du im Moment sicher nichts sinnvolleres zu tun hast als ich, könntest du gleich irgendwann einfach vorbeikommen. Wir ziehen gemütlich einen durch, hören Bob Dylan und gucken Filme auf DVD. Was denkst du?“
Nein!, denkst du. Ich will doch einfach nur ein kleines bisschen Ruhe und Frieden!
Doch diese Worte hätten zu nichts anderem als weiteren, endlosen Fragen geführt – und deshalb sagst Du einfach gar nichts.
„Sagen wir um fünf bei mir?“
Du schließt die Augen.
„Okay, Mann! Dann bis gleich.“
In der Leitung knackt es. Dein Gesprächspartner hat aufgelegt.
Du öffnest die Augen wieder, wirfst einen Blick auf die Uhr und stellst zu Deinem Entsetzen fest, dass Du in spätestens einer halben Stunde aufbrechen musst. Du fluchst leise, kehrst in dein Zimmer zurück und öffnest die Jalousien. Dein Blick fällt zunächst auf die umgekippte Bierflasche, dann auf die angebissene Toastbrotscheibe und schließlich auf das leere Bockwurstglas direkt neben Deinem Bett. Du machst einen Schritt darüber hinweg, kramst eine Jeans und einen Pullover aus dem Schrank und trittst dabei versehentlich auf die Ketchuptube, die hinter einem der Stühle liegt.
Während Du die rote, dickflüssige Substanz mit einem Papiertaschentuch von der Schranktür wischst, erinnerst Du dich daran, dass es da noch eine Sache gab, der Du auf den Grund gehen wolltest. Eine Sache, die dir seit ein paar Tagen im Kopf herum spukt – und über die du reden wolltest, wenn dir der Zeitpunkt passend erscheint. Du entscheidest, dass dir fünf Uhr am heutigen Nachmittag ziemlich passend erscheint.
An manchen von diesen Sonntagen wäre es besser für dich, mit jemandem zusammen zu sein.

Leseprobe Traumfänger (.pdf – 50 Seiten)

Dreamcatcher – English Version

Exposé

Ausgerechnet an seinem 92. Geburtstag gerät der geordnete Altenheimalltag von Willibald Daringhoff vollkommen aus den Fugen. Denn plötzlich steht ein Junge vor seiner Tür, der ihn um Hilfe bei einer Sache bittet, an die der alte Mann schon seit Jahren nicht mehr gedacht hatte. Von der er gehofft hatte, dass sie endlich überstanden sei.

Die meiste Zeit über ist Nerweng nur ein kleiner, beschaulicher Ort mitten im Ruhrgebiet. Manchmal aber, plötzlich und ohne Vorwarnung, wird das Leben dort zu einem Albtraum. Menschen verschwinden und tauchen nie wieder auf. Andere sterben bei mysteriösen Unfällen oder nehmen sich selbst das Leben, nachdem sie zuvor über schreckliche Albträume geklagt hatten. Und einige wenige verfügen plötzlich über mysteriöse Fähigkeiten. Sie können fliegen oder Gedanken lesen, unsichtbar werden oder durch die Zeit reisen.
Zum letzten Mal ist das in Nerweng vor mehr als 70 Jahren passiert. Und jetzt – im Frühjahr 2008 – passiert es erneut.

An einem kalten Sonntag Ende April machen sich drei Abiturienten in die Nerwenger Wälder auf, um darin nach einem mysteriösen Haus zu suchen. Einem Haus, über das sie in einem sehr alten Buch gelesen hatten, dass es jedem, der es betritt, einen Wunsch erfülle. Und Ben, Nathan und Carlos finden es tatsächlich, dieses Haus – und stoßen darin auf etwas, das ihr Leben für immer verändern wird. Es ist ein blutrotes Geflecht aus Ringen und Federn, von dem ein unsagbar intensives Licht ausgeht: ein Traumfänger.

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